Amstettner Symphonieorchester


Programmeinführung Herbstkonzert 2023


Das heutige Konzert ist dem im Juni verstorbenen Orchestermitglied Ing. Hannes Kropfreiter, der das Amstettner Kulturleben jahrzehntelang geprägt hat, gewidmet.

Parallel zu seinen Sinfonien komponierte Ludwig van Beethoven insgesamt elf Ouvertüren. Mit Ausnahme der Oper Fidelio haben sich von Beethovens Bühnenmusiken nur die instrumentalen Vorspiele behaupten können, die (mit den Worten Glucks) „die Zuschauer auf die Handlung vorbereiten und sozusagen den Inhalt ankündigen“ sollen.
Die heute gespielte „Egmont“-Ouvertüre ist die sechste der elf Ouvertüren und zweifellos eine der gewichtigsten. Sie stellt - wie die meisten Beethoven´schen Ouvertüren - fast eine autonome Tondichtung in Kleinform dar. (Damit verbunden ist auch, dass im 19. Jahrhundert die Ouvertüre als Gattung verstärkt in die Konzertprogramme eindringt und das neue, sehr beliebte Genre der Konzertouvertüre entsteht).
Goethe schrieb sein Egmont-Drama von 1775-1788. Im Zentrum des Werkes steht die Verhaftung und Hinrichtung des niederländischen Grafen Egmont durch den spanischen Feldherrn Alba im Jahre 1568, wobei Goethe den historischen Stoff stark umformte. Egmont - der historisch im Freiheitskampf der Niederländer kaum aktiv hervortat - wird als gütiger, freudvoller Jüngling gezeichnet, der von der Liebe des Volkes umgeben ist. Siegessicher bleibt er - schwankend zwischen Spaniern und Niederländern und sorglos alle Warnungen überhörend - trotz nahender Gefahr in Brüssel, bis ihn Alba gefangen nimmt und zum Tode verurteilt. Die Freiheitsidee liegt in diesem Drama quasi nicht im Angriff, sondern in der Verteidigung.
Beethoven vollendete seine Schauspielmusik rund zwei Jahrzehnte nach der Uraufführung von Goethes Drama. Die Ouvertüre beginnt mit einer düsteren, schwer lastenden Einleitung in f-moll, die das sich abzeichnende Verhängnis vorausahnen lässt. Auch der schwungvolle Hauptteil verbleibt in Moll; am Ende der Reprise bricht das Orchester plötzlich ab (in den Skizzen notierte Beethoven: „Der Tod könnte ausgedrückt werden durch eine Pause“).
Im Gegensatz zu seiner drei Jahre zuvor entstandenen „Coriolan“-Ouvertüre, die in absolut resignierenden, pessimistischen Schlusstönen endet, schließt Beethoven seine „Egmont“-Ouvertüre mit einem strahlenden, feurigen Dur-Allegro - die strahlende Apotheose des trotz allem siegreichen Helden.
Bedauerlich ist, dass die anderen neun Stücke der Egmont-Schauspielmusik kaum mehr beachtet werden, obwohl bei ihrem Erscheinen die zeitgenössische Kritik die Schönheiten v. a. der zwei Lieder und der vier Zwischenaktmusiken gepriesen hat. Goethe selbst hat zu dem Melodram, das Egmonts Schlummer begleiten sollte, bemerkt: „Beethoven ist mit bemerkenswertem Genie in meine Intentionen eingegangen“.

Schon einige Jahre früher, in zeitlicher Nähe zu seiner 3. und 5. Sinfonie, der „Appassionata“-Klaviersonate und seiner einzigen Oper „Fidelio“, entstand Beethovens „Tripelkonzert“, das in der Konzertliteratur eine besondere, relativ ungewöhnliche Stellung einnimmt. Vom Typ her ist das Werk einer Sinfonia concertante ähnlich, wie sie etwa von Johann Christian Bach, Haydn und Mozart gepflegt wurde, in welcher zwei oder mehr Soloinstrumente mit Orchesterbegleitung in gegenseitigem Wechsel konzertieren, die Soli aber einen bedeutenderen Anteil haben als etwa im barocken Concerto grosso. Aus Beethovens eigener Feder stammen zwei Vorläuferwerke, die beide unvollendet geblieben sind: Eine Romanze cantabile e-moll für Flöte, Fagott, Klavier und Orchester (1786/87) und eine Concertante D-Dur (1802), die dieselbe Besetzung wie das ein Jahr später begonnene Tripelkonzert gehabt hätte - als Soloinstrumente Klavier, Violine und Violoncello (eine Klaviertriobesetzung also).
Beethoven sah als Violinist vermutlich Carl August Seidler vor, den Cellopart sollte Anton Kraft übernehmen. Ob die weit verbreitete Ansicht, dass Beethoven den Klavierpart für seinen damaligen Klavierschüler Erzherzog Rudolf von Österreich konzipierte (und ihn dementsprechend nicht zu anspruchsvoll anlegte; im Gegensatz zu den Streichersolisten, wo insbesondere der Cellopart äußerst anspruchsvoll ist), stimmt, ist fraglich - möglicherweise hat Beethoven den Erzherzog erst 1808 kennengelernt.
Das - ziemlich umfangreiche - Tripelkonzert, das durch das Übergewicht des Cellos gegenüber der Violine ansatzweise dem Charakter eines Cellokonzertes nahekommt, ist dem Fürsten Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz gewidmet und wurde 1807 veröffentlicht. Die Uraufführung fand am 18. 2. 1808 im Leipziger Gewandhaus statt; erst im Mai desselben Jahres gab es die erste öffentliche Aufführung in Wien. Die Reaktionen auf das Werk waren eher verhalten und zweigeteilt - während die einen den melodischen Schwung, den heiteren Charakter und die einfache Verständlichkeit lobten, befanden andere „eine gewisse Undeutlichkeit des Ausdrucks und eine schwammige Konstruktion“. Weitere Aufführungen in Wien fanden erst in den Jahren 1820 und 1830 statt. Auch heute ist das Tripelkonzert eher selten zu hören, doch gebührt ihm jedenfalls ein fester Platz im Konzertrepertoire, sodass auch das ASO dieses Werk in sein Programm aufgenommen hat und heute zum ersten Mal in seiner Geschichte aufführt.

Zwischen dem Tripelkonzert Beethovens und der 8. Symphonie des böhmischen Komponisten Antonin Dvorak liegen 85 Jahre. Dvorak, der mit Johannes Brahms eng befreundet war, schrieb insgesamt neun Symphonien, von denen aber nur wenige bei uns bekannt sind, so vor allem die 9. Symphonie „Aus der neuen Welt“, die er bei seinem USA-Aufenthalt als Direktor des National Conservatory of Music in New York (1892-95) komponierte. Schon ab 1884 war er insgesamt achtmal nach England eingeladen worden, eigene Werke aufzuführen und Kompositionsaufträge wahrzunehmen.
Die 8. Symphonie in G-Dur entstand 1889; Dvorak selbst dirigierte - mit großem Erfolg - die Uraufführung am 2. 2. 1890 mit dem Orchester des Tschechischen Nationaltheaters in Prag. Anlässlich seiner 6. Englandreise folgten weitere Aufführungen durch die „Philharmonic Society“ in London. 1891 wurde das Werk nochmals am Abend vor Dvoraks Verleihung der Ehrendoktorwürde in Cambridge aufgeführt - als Ersatz für eine Dissertationsvorlesung. Daher (und aufgrund der Tatsache, dass die Symphonie in England fulminante Erfolge feierte) erhielt die 8. Symphonie auch den Beinamen „Die Englische“. Dvorak ließ - da er mit seinem Stammverleger Fritz Simrock aufgrund von Diskrepanzen bei der Drucklegung seiner vorangegangenen 7. Sinfonie zerstritten war - das Werk auch von einem Londoner Verleger veröffentlichen (was wohl mit ein Grund war, warum die Sinfonie in der Zwischenkriegszeit in Mitteleuropa kaum gespielt und hier erst nach dem 2. Weltkrieg zu einem äußerst populären Werk wurde).
Die Partitur trägt den Vermerk „Für die Aufnahme in die Böhmische Kaiser-Franz-Joseph-Akademie für Wissenschaft, Literatur und Kunst“ und ist inspiriert von der landschaftlichen Schönheit um Vysoká bei Pribram, dem Sommersitz des Komponisten.
Die Sinfonie ist daher ganz der folkloristisch-böhmischen Melodik verpflichtet. Zwar hat sie noch die traditionelle Satzfolge, doch behandelt Dvorak diese wesentlich freier als in seinen vorherigen Symphonien. Es handelt sich eher um eine Abfolge poetischer Stimmungsbilder in teils sehr freier Form. Dvorak selbst bekräftigte, dass er beabsichtigte, „ein von meinen anderen Symphonien verschiedenes Werk zu schreiben, mit individuellen, in neuer Weise ausgearbeiteten Gedanken“.
Der erste Satz beginnt eigenartigerweise mit einem Thema in g-moll, vorgetragen von Violoncello, Klarinette, Fagott und Horn und steht quasi als Motto am Beginn von Exposition, Durchführung und Reprise (dort im Englischhorn, die einzigen zwei Takte, für die Dvorak in der Symphonie dieses Instrument vorschreibt). Das eigentliche Hauptthema in G-Dur erscheint erst nach 17 Takten in der Flöte.
Im zweiten Satz kommt das böhmische Klangkolorit stark zur Geltung; die beiden Klarinetten und Flöten haben über weite Strecken tragende Führungsfunktion. Ein lebhafter Mittelteil bringt Dramatik in das ruhige Geschehen. Dieser Satz ist formal am freiesten komponiert, auch im 4. Satz steht am Beginn quasi eine improvisatorische Einleitung mit Solotrompeten, Klarinette, Horn und Pauke, ehe die Streicher das Hauptthema in verschiedenen Varianten vortragen. Formal ist der Schlusssatz eine Mischung aus Sonaten- und Variationsform.
Der dritte Satz ist ein Scherzo in g-moll, den Mittelteil bildet ein als Walzer gestaltetes Trio in G-Dur. Die eigenartige Coda steht - im Gegensatz zum Dreiertakt des ganzen Satzes - in einem 2/4-Takt und bringt den Satz zu einem kraftvollen, fast derben Schluss. Im Scherzo gibt die anmutige, wiegende Melodik der Holzbläser ein Klangbild frühlingshafter Leichtigkeit.


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